6-Spur-Ausbau der A1 hat höchste Priorität

Der A1-Streckenabschnitt im Kanton Aargau gilt als Nadelöhr. In Neuenhof ­werden an einem gewöhnlichen Tag rund 125 000 Fahrzeuge gezählt. Er weist damit den dritthöchsten Schweizer Wert auf. Doch noch immer verläuft ein Teil der A1 im Kanton der Auto­bahnen nur auf vier Spuren. Daran will der Bund bis 2040 fest­halten, obschon Bevölkerungs- und Verkehrsprognosen die Warnlampen aufleuchten lassen. Der Grosse Rat des Kantons Aargau fordert deshalb in einer Standesinitiative den schnelleren Ausbau des Teilstücks ­­Aarau–Birrfeld bis 2030. Ein Ausbleiben hätte Auswirkungen auf den über­­­regionalen ­Strassenverkehr und würde den Transitverkehr wieder zurück in die ­Städte und Dörfer drängen.

Von Birrfeld bis Aarau verläuft der Autobahnverkehr noch immer auf 4 Spuren. Der Bund sieht einen Ausbau des Strassenabschnittes auf 6 Spuren frühestens für 2040 vor – nach Ansicht des aargauischen Grossen Rates eindeutig zu spät. Deshalb nahm er mit 81 zu 46 Stimmen einen von mir erarbeiteten und von der FDP-Frak­tion eingereichten Vorstoss an, den Bund mittels einer Standesinitiative zu einem schnelleren Ausbau bis spätestens 2030 aufzufordern. Mit seiner Forderung steht der Kanton nicht allein. So stösst seine Forderung auch im Kanton Zürich auf Zustimmung. Beide verlangen denn auch nach mehr Mitteln für die stark befahrenen Hauptachsen. Das Teilstück umfasst lediglich 12 Kilometer. Umso erstaunlicher scheint der gegenwärtige Plan des Bundes, den Ausbau bis 2040 hinauszuzögern. Inmitten des Schweizer Mittellandes ist dieser Streckenabschnitt nicht nur eine wichtige Lebensader des Kantons Aargau, sondern auch der Schweiz. Sie verbindet die West- mit der Nord- und Ostschweiz. Bei allfälligen Verkehrsstörungen wird auch der überregionale Verkehr im Land beeinträchtigt. Ein belastungsfähiges nationales Strassennetz bedarf deshalb eines starken Kerns. Doch herrscht momentan gerade im Aargau die höchste Engpass­stufe auf der A1.

Ausbau stellt Verkehrs­sicherheit wieder her

Die A1 zwischen Birrfeld und Aarau nicht als prioritär zu behandeln, ist fahrlässig. Wenn die Politik den Ausbau nicht umgehend an die Hand nimmt, wird sich zunehmend auch die Verkehrssicherheit verschlechtern. Mehrere Unfälle in den letzten Jahren führten zu kompletten Sperrungen oder Verkehrszusammen­brüchen; dies mit den entsprechenden Auswirkungen auf Haupt- und Nebenstrassen. Insbesondere bei Wartungsarbeiten sind Verkehrsfluss und Sicherheit der Verkehrsteilnehmer wie der Bauarbeiter unter den heutigen Bedingungen kaum mehr aufrechtzuerhalten, wie die Sanierung der A1 zwischen Lenzburg und Birrfeld verdeutlichte. Ebenso bleiben überregionale Verkehrskollapse ohne Erweiterung auf 6 Spuren realistische Szenarien. Mit jedem Tag, den wir verstreichen lassen, verschärft sich die prekäre Verkehrssituation. Das Bundesamt für Strassen bestätigt denn auch, dass die Staustunden weiter ansteigen.

Ohne Sechss pur-Lösung keine Verkehrsverlagerung

In der Debatte äusserten die Ausbaugegner im Grossen Rat wiederholt die Befürchtung, breitere Strassen würden mehr Verkehr anziehen. Die These steht auf äusserst wackligen Beinen. Sowohl die Strassen als auch die Fahrzeuge sind bereits heute da. Wir stehen vielmehr vor der Frage, ob wir den Verkehr auf der Autobahn oder in den Dörfern haben wollen. Rund 70 Prozent des Verkehrs auf der A1 zwischen Rothrist und Neuenhof überquert die Kantonsgrenzen nicht. Es sind aber gerade ortskundige Verkehrsteilnehmer, die bei Verkehrsbehinderungen auf Haupt- und Nebenstrassen ausweichen.

Ein Ausbau auf 6 Spuren liegt auf einer Linie mit der gegenwärtigen Verkehrspolitik. Bund und Kantone verfolgen seit Jahrzehnten die Strategie, die Siedlungen vom Verkehr grösstmöglich zu befreien. Es gilt, historisch gewachsene Mängel endlich zu beseitigen. Dazu besteht ein breiter Konsens. Umfahrungen, Autobahnanbindungen und nicht zuletzt auch der Autobahnausbau gehören zu den wirkungsvollsten Massnahmen, um dieses Ziel zu erreichen. Je länger wir jedoch zuwarten, desto schwieriger gestaltet sich die Aufgabe, Transitverkehr aus den Dörfern und Städten zu halten.

Die Zeit drängt

Bereits 1996 wurde der 6-Spur-Ausbau im kantonalen Richtplan festgesetzt. Seither sind beinahe 20 Jahre verstrichen, ohne dem Ziel wirklich näher gekommen zu sein. Was schon vor zwei Jahrzehnten als erforderlich galt, darf nicht weiter hinausgezögert werden. Gerade mit Blick auf die zukünftigen Herausforderungen sollte das Autobahnnetz im Kanton Aargau Vorrang erhalten. Der Aargau weist das grösste Bevölkerungswachstum der Schweiz auf und ist das Zentrum einer Boomregion im Mittelland. Die Bevölkerungsprognose 2013 geht von einem kantonalen Bevölkerungswachstum von 190 000 Personen zwischen 2012 und 2040 aus. Dies entspricht einer Zunahme von mehr als einem Viertel der gegenwärtigen Einwohnerzahl. Dementsprechend prophezeien die Verkehrsprognosen für die A1 im Kanton Aargau das grösste Mehraufkommen. Wie die jetzige Infrastruktur das dadurch ausgelöste zusätzliche Verkehrsaufkommen bewältigen soll, bliebe vom Bund zu beantworten, sollte er nicht einlenken und auch die A1-Autobahnstrecke zwischen Aarau und Birrfeld auf 6 Spuren ausbauen.

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Autor

Thierry Burkart

Nationalrat und Präsident TCS Sektion Aargau, Baden

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