Das Ende für unsere Familienbetriebe

Die Erbschaftssteuer-Initiative trifft  die Familienbetriebe und KMU in ihrem  Kern, weil sie familieninterne Nachfolgeregelungen durch die horrende  Steuerforderung im Erbfall praktisch verunmöglicht. Damit  gefährdet sie die Existenz eines Grossteils  der Schweizer KMU und setzt Kurs auf die wirtschaftliche Verelendung der Schweiz.

Die Erbschaftssteuer-Initiative verlangt, dass der Bund eine nationale Erbschafts- und Schenkungssteuer von 20 Prozent auf dem Nachlass erhebt. Der vorgesehene Freibetrag von 2 Millionen Franken erscheint auf den ersten Blick hoch. Dass nur die  Reichen von der Erbschaftssteuer betroffen seien, wie  es die  Initianten glauben mache wollen, stimmt nicht: Für die Veranlagung der Steuer wird nicht der Steuerwert, sondern der Verkehrswert, also der Marktwert herangezogen. Dieser ist bei Liegenschaften, Unternehmen oder Aktien oft weit höher als  der Steuerwert. Konkret bedeutet dies, dass die  allermeisten KMU von der Initiative betroffen sind. Bereits eine mittelständische Schreinerei überschreitet mit ihrem Verkehrswert den vorgesehenen Freibetrag.

DRAMATISCHE  FOLGEN FÜR UNTERNEHMENSNACHFOLGE  IN DER FAMILIE

Wenn im Erbfall 20 Prozent des Verkehrswerts der Firma in bar an den Staat abzuliefern sind, hat das dramatische Folgen. Die meisten Familien haben ihr gesamtes Vermögen in den Betrieb investiert und sorgen sich um dessen gedeihliche Entwicklung. Freie Mittel für die Entrichtung der Erbschaftssteuer fehlen. Viele  KMU- Besitzer müssen sich somit die  Frage stellen, ob sie ihre Firma wie  geplant an die Nachkommen übergeben können. Sollten die Erben die Steuerschuld nicht in Cash innert Kürze berappen können, droht den Erben der Zwangsverkauf des Familienunternehmens. Beim Verkauf unter Zeitdruck werden zudem bedeutend tiefere Preise von der Käuferschaft bezahlt als in einem ordentlichen Verkaufsprozess. Falls kein Käufer gefunden werden kann, muss die Firma wegen der Steuerforderung liquidiert werden.

SCHWÄCHUNG  DER KMU-WIRTSCHAFT

Damit trifft die  Bundeserbschafssteuer die  Familienbetriebe und die  KMU in ihrem Kern. Die Existenz zehntausender Familienunternehmen ist somit mit der Einführung einer Bundeserbschaftssteuer gefährdet. Der massive Verlust von Arbeitsplätzen oder die Verlagerung derselben ins Ausland wären die Folgen. Besonders Rand- und Landregionen hätten die  Nachsicht. Dort ist das wirtschaftliche Gewicht der lokalen KMU bedeutend höher als  in den Ballungszentren. Der graduelle Verlust der heimischen KMU würde diese Regionen finanziell und gesellschaftlich austrocknen, Steuersubstrat, Arbeits- und Lehrplätze fallen weg. Entziehen wir  den KMU die  Existenzgrundlage, wird unsere Wirtschaft in naher Zukunft von einigen wenigen Grosskonzernen gelenkt werden. Frankreich kann als  schlechtes Vorbild herangezogen werden, wo diese Reise enden wird. Wegen der massiven administrativen und arbeitsrechtlichen Hürden verfügt das Land heute kaum mehr über eine KMU-Landschaft und leidet unter erdrückender Arbeitslosigkeit. Unternehmerisches Risiko einzugehen wird dort sozusagen im Keime erstickt.

VERSPROCHENE  ERLEICHTERUNGEN: KAUM MEHR ALS EINE MOGELPACKUNG

Die Initianten weisen stets auf die  im Initiativtext beschriebenen Erleichterungen für Unternehmen hin. Diese Erleichterungen sind aber im Umfang nicht definiert. Weiter müssen zwei Bedingungen erfüllt werden, damit dem Unternehmen diese Erleichterungen gewährt werden: Der Betrieb muss während mindestens 10 Jahren weitergeführt werden, es dürfen zudem keine Leute entlassen werden. Diese Bedingungen entspringen realitätsfernen Vorstellungen, dass unternehmerischer Erfolg vom Staat verordnet werden kann. Doch welcher Unternehmer kann den Weiterbestand seiner Firma und den Erhalt der Arbeitsplätze für die  kommenden zehn Jahre garantieren?

Genauso wenig lässt sich der Zeitpunkt vom Tod  des Unternehmers planen. Ein plötzlicher und frühzeitiger Tod  des Unternehmers ist in der Vorlage nicht vorgesehen. Mit der Bundeserbschaftssteuer würde jeder Unternehmer mit einer massiven Existenzangst leben, weil im Todesfall die  Erbschaftssteuer von den Angehörigen nicht bezahlt werden könnte. Ein Damoklesschwert wird über den Schweizer Firmen hängen und sie im internationalen Wettbewerb zum Spielball für  «Erbschaftssteuer-Investoren» machen: Diese könnten sich darauf spezialisieren, den Erben bei der Bezahlung der Steuerschulden zu helfen, im Gegenzug würden sie eine massive Beteiligung an der Firma übernehmen.

Die  Initiative erhöht die Steuern, vertreibt Firmen aus der Schweiz, kostet Arbeitsplätze, ist unfair, schadet den Kantonen und verletzt die Eigentumsgarantie.

Sie ist abzulehnen, weil
– sie das Rückgrat unserer Volkswirtschaft, die hiesigen KMU und Familienbetriebe, in ihrer Existenz gefährdet,
– sie die Unternehmensnachfolge in der Familie massiv erschwert oder sogar verunmöglicht,
– sie neue Standortnachteile für die hiesigen Unternehmen schafft und damit Arbeitsplätze gefährdet,
– durch sie jeder verdiente und im Vermögen angelegte Franken noch ein drittes Mal besteuert wird,
– sie die Fiskalquote in der Schweiz weiter deutlich ansteigen lässt,
– sie mit ihrer Rückwirkung Rechtsunsicherheit erzeugt,
– sie ein Angriff auf das Privateigentum darstellt und französische Verhältnisse schafft,
– sie ungerechterweise ein Einzelkind, das 1,9 Mio. Franken erbt, unbehelligt lässt, drei Geschwister, die zusammen 2,1 Mio. Franken erben, aber 20 % an den Staat abführen müssen,
– sie den Kantonen Steuererträge wegnimmt, die durch andere Steuererhöhungen kompensiert werden müssen.
– Die Initiative ist eine Kampfansage an das Unternehmertum in der Schweiz. Sie trifft die Unternehmer in ihrem Kern und gefährdet das erfolgreiche Modell der KMU. Erfahrungen aus dem Ausland zeigen, dass Erbschaftssteuern zu massiven Abwanderungen von Unternehmen führen.

Schlagwörter

Schlagwörter:

Beitrag teilen:

Autor

Annette Heimlicher

CEO und Mitglied des VR, Contrinex AG, Givisiez FR

Kommentar