Die Zeche zahlen die KMU und die Haushalte

Konservativ geschätzt bewegen sich die Kosten der sogenannten Energiestrategie 2050 in Form des neuen Energiegesetzes in der Grössenordnung von 150 bis 200 Milliarden Franken bis zum Jahr 2050. Für jede Einwohnerin und jeden Einwohner in der Schweiz führt dies zu zusätzlichen Ausgaben von jährlich 750 Franken! Notabene für Massnahmen, welche die Versorgungssicherheit gefährden und der Umwelt nichts bringen.

Heute verfügt die Schweiz über eine ausreichende Versorgung mit Strom, dank Wasser- und Kernkraft, die rund 95 Prozent des im Inland produzierten Stroms liefern. Die Energiestrategie 2050 will den Kernenergieanteil von rund 40 Prozent vor allem durch Sonnen- und Windenergie ersetzen. Oder anders ausgedrückt: dauernd zur Verfügung stehenden Strom durch nicht planbare Energieproduktion.

Nicht nur müssen dafür riesige Produktionskapazitäten geschaffen, sondern auch die Stromnetze sowie die Speichermöglichkeiten massiv ausgebaut werden. Übereinstimmend rechnen Bund, VSE und Energieexperten für den Umbau des Stromversorgungssystems mit Kosten von 150 Milliarden Franken und mehr. Diese Kosten lassen sich nicht wegdiskutieren, auch wenn jüngst der Nationalrat mit dem Klima- und Energielenkungssystems (KELS) das notwendige Finanzierungsinstrument versenkt hat.

KMU UND HAUSHALTE ZAHLEN DEN PREIS

Das Energiegesetz ist so aufgebaut, dass wichtige und einflussreiche Anspruchsgruppen entweder profitieren oder zumindest von Belastungen ausgenommen  sind. So können sich Grossverbraucher der KEV entledigen, wenn sie bestimmte Auflagen erfüllen. Hauseigentümer werden mit Steuerabzügen für die Sanierung ihrer Liegenschaften geködert. Energieversorger und -produzenten schielen auf die mit der KEV reichlich fliessenden Subventionen. Die Zeche für den Umbau des Energieversorgungssystems zahlen deshalb vor allem KMU und Haushalte. Es erfolgt eine milliardenschwere Umverteilung zu den subven tionsempfangenden Stromproduzenten.

Welche gigantische Abgabenlast KMU und Haushalten mit dem Umbau des Energieversorgungssystems droht, zeigt das Beispiel der sogenannten Energiewende in Deutschland. Der damalige Umweltminister Jürgen Trittin versprach vor rund zwölf Jahren, dass die Energiewende den deutschen Konsumenten im Monat nicht mehr als einen Euro, also eine Kugel Eis, kosten würde. Heute zahlt ein Haushalt im Monat hochgerechnet rund 48 Euro.

VERSORGUNGSSICHERHEIT GEFÄHRDET

Dass eine sichere Energieversorgung nicht zum Nulltarif zu haben ist, davon  muss die Schweizer Bevölkerung nicht überzeugt werden. Sie muss jedoch wissen, dass der mit dem Energiegesetz eingeschlagene Weg trotz gigantischer Kosten die Versorgungssicherheit gefährdet. Denn Solarpanels und Windturbinen produzieren nur dann Strom, wenn die Sonne scheint bzw. der Wind weht.

Die Stromproduktion mittels Photovoltaik und Windenergie unterliegt starken Schwankungen. Ohne weitere milliardenschwere Investitionen in den Ausbau der Netze und der Speicherkapazitäten tragen Photovoltaik und Windenergie nichts zur Versorgungssicherheit bei! Im Winter werden der Schweiz rund drei Terawattstunden Strom fehlen. Um diese Menge zu speichern, braucht es die Batterien von 40 Millionen Tesla-Fahrzeugen oder mehr als 20 neue Pumpspeicherwerke der Grösse Linth-Limmern. Die Kosten sind exorbitant – für die Pumpspeicherwerke etwa 250 Milliarden Franken, für die Batterien gar 1000 Milliarden Franken!

Die Problematik fehlender Speichermöglichkeiten zeigt wiederum das Beispiel Deutschland klar und deutlich auf. Der Ausstieg aus der Kernenergie wird dort trotz jährlich 25 Milliarden Euro Subventionen nicht etwa durch neue erneuerbare Energien kompensiert, sondern durch fossilthermische Kraftwerke. Nach 2011 wurden in Deutschland neun Gigawattstunden an Kernkraftkapazität abgeschaltet, von 2003 bis 2015 aber auch acht Gigawattstunden fossilthermische Kapazität (Steinkohle und Gaskraftwerke) ans Netz genommen. Das Resultat der sogenannten deutschen Energiewende: rekordhohe Emissionen an CO2 und anderen schädlichen Treibhausgasen.

NEUE GROSSKRAFTWERKE NOTWENDIG

Wir sind auf eine sichere, zuverlässige und wirtschaftliche Energie- und Stromversorgung angewiesen. Das lässt sich mit dem Ausbau der neuen erneuerbaren Energien nicht erreichen, schon gar nicht, wenn entsprechende Netz- und Speicherkapazitäten fehlen. Es braucht deshalb – und auch hier muss der Schweizer Bevölkerung reiner Wein eingeschenkt werden – als Ersatz für die Kernkraftwerke in der Schweiz neue Grosskraftwerke sowie ein neues Marktmodell für die Wasserkraft, die immer noch das Rückgrat der Schweizer Stromproduktion bildet.

Welche Grosskraftwerke gebaut werden sollen – Grosswasserkraftwerke oder wie bereits in der Botschaft zum ersten Massnahmenpaket erwähnt Gaskombikraftwerke – oder ob wir uns doch auf Stromimporte verlassen wollen: Dafür braucht es einen politischen und gesellschaftlichen Diskurs unter Einbezug der Bevölkerung. Diese darf nicht wie bis anhin bei der Energiestrategie 2050 aussen vorgelassen werden. Dabei gilt es, alle Optionen, die technisch, wirtschaftlich und physikalisch realistisch erscheinen, zu prüfen.

Über die AVES

Die Aktion für vernünftige Energiepolitik Schweiz AVES engagiert sich für eine sichere, ausreichende und volkswirtschaftlich optimale Energieversorgung, die gleichzeitig den Schutz von Mensch und Umwelt beachtet. Sie wurde 1979 gegründet und zählt rund 6000 Mitglieder, gegliedert in 18 Regionalgruppen. Das Hauptanliegen der AVES besteht darin, die Diskussion um die Energienutzung zu versachlichen – Seriosität und Fachwissen sollen bei der Wahl der Energiearten dominieren. Rund 40 Parlamentarierinnen und Parlamentarier setzen sich auf eidgenössischer Ebene für dieses  ökologisch und ökonomisch motivierte Anliegen ein.

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AVES Schweiz Bern

AVES Schweiz, Bern

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