Drei Gründe für ein Ja zum Sanierungstunnel am Gotthard

Der Strassentunnel am Gotthard muss umfassend saniert werden. Bei der Umsetzung entschieden sich Bundesrat und Parlament für den Bau einer zweiten Röhre. Ein effizientes Konzept, das z. B. auch bei der Sanierung des Belchentunnels angewendet wird. Dort entsteht auf der A2 zwischen Basel und Egerkingen eine dritte Röhre, um die zwei bestehenden Röhren zu sanieren. Aus wirtschaftlichen und staatspolitischen Gründen und wegen der Sicherheit ist die Sanierung mit einer zweiten Röhre auch am Gotthard die beste Lösung.

Die Sanierungslösung mit dem Bau einer zweiten Tunnelröhre am Gotthard sieht vor, dass nach deren Fertigstellung der gesamte Verkehr am Gotthard durch die neue Sanierungsröhre geleitet würde. In dieser Zeit kann die alte Röhre saniert werden. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten wird in jeder Röhre ohne gefährlichen Gegenverkehr je eine Fahrspur geöffnet und die Sicherheit dank eines neu vorhandenen Pannenstreifens erhöht. Mit dem Bau einer Sanierungsröhre kann eine dauerhafte Sicherung der wichtigen Nord-Süd-­Verbindung erreicht werden. Kurz: der Tunnel wird saniert, ohne das Tessin während Jahren vom Rest der Schweiz abzukoppeln.

WIRTSCHAFT AUF DURCHGEHENDE VERBINDUNG ANGEWIESEN

Eine längere Schliessung des Tunnels würde insbesondere die lokale Wirtschaft der Kantone Tessin, Uri und Graubünden schädigen. Es drohen minus 100 bis 300 Millionen Franken Bruttowertschöpfung, wie eine Studie ergeben hat. Ein wesentlicher Teil der Wirtschaft dieser Kantone basiert auf dem Tourismus. Im Kanton Tessin generiert dieser 7 Prozent im Kanton Uri 9 Prozent der Arbeitsplätze. Ohne sichere Verbindung drohen schmerzhafte Einschnitte. Bis zu 870 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Und das in Gebieten, die um jeden Arbeitsplatz kämpfen müssen.

Aber auch für die gesamte Schweizer Exportwirtschaft ist der Bau einer zweiten Röhre sehr wichtig. Italien ist einer der bedeutendsten Handelspartner der Schweiz. Wir können es uns schlicht nicht erlauben, die Verbindung zu unseren wichtigsten Märkten zu kappen.

ZWEITE RÖHRE IST GÜNSTIGER ALS FORDERUNGEN DER TUNNELGEGNER

Eine provisorische Verladelösung auf die Bahn, mit dezentralen Verladeanlagen bis ins Mittelland, wie sie vom Referendumskomitee gefordert wird, ist weder tauglich noch nachhaltig. Der Bau, Betrieb und Rückbau von vier Verladeanlagen in den Urner und den Tessiner Tälern kostet fast gleich viel wie der Sanierungstunnel, ohne dass ein bleibender Mehrwert geschaffen würde. Denn die Anlagen müssen nach der Sanierung wieder abgerissen werden. Bei den von den Tunnelgegnern geforderten sechs bis acht Verladeanlagen wird das Verladeprovisorium sogar teurer als der Bau einer zweiten Röhre. Selbst im besten Fall und ohne die kleinste Panne oder Verzögerung beim Verladen genügen die Kapazitäten der Verladelösungen nicht. Zudem wird beidseits des Gotthards Land im Umfang von insgesamt rund 22 Fussballfeldern für überdimensionierte Verladerampen geopfert.

ZWEI RÖHREN BEDEUTET MEHR SICHERHEIT

Seit Inbetriebnahme haben im Gotthard-Strassentunnel 36 Menschen ihr Leben verloren. Allein zwischen 2001 und 2014 starben 21 Personen. 18 Tote verstarben nach Unfällen mit Frontalkollision, weil der Gotthard-Strassentunnel in Gegenrichtung geführt wird, was den heutigen Sicherheitsanforderungen in keiner Weise mehr genügt. Der schwerste Unfall forderte 2001 ebenfalls als Folge einer Frontal­kollision 11 Tote. In einer Studie des ADAC im Sommer 2015 lag der Gotthard-Strassen­tunnel von allen untersuchten Tunnels bezüglich Sicherheit abgeschlagen auf dem letzten Platz. Das Unfallrisiko in der engen Röhre mit Gegenverkehr ist schlicht zu hoch. Allein schon eine gewöhnliche Panne kann die Pannenhilfe behindern und schwere Unfälle verursachen, ja sogar zu einem katastrophalen Tunnelbrand führen. Eine zweite Röhre würde die Gefahr von Frontalzusammenstössen fast völlig ausschliessen. Richtungsgetrennter Verkehr und ein Pannenstreifen auf der ganzen Länge des Tunnels würden es erlauben, dass die geltenden Sicherheitsstandards endlich eingehalten werden können. Den tausenden von Tunnelbenützern sind wir diese Sicherheit schuldig.

STAATSPOLITISCH NICHT TRAGBAR

Eine mehrjährige Abschottung des Tessins vom Rest der Schweiz ist auch staatspolitisch nicht zu verantworten. Die Schweiz ist eine Willensnation, die im Verlauf der Jahrhunderte die Minderheiten und ihre Ansprüche immer gut zu integrieren vermochte. Das soll wegen des Gotthardstrassentunnels nicht aufs Spiel gesetzt werden. Der Sanierungstunnel ist insgesamt eine vernünftige und nachhaltige Lösung und verdient deshalb auch aus staatspolitischen Gründen am 28. Februar 2016 ein klares Ja.

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Autor

Hans-Ulrich Bigler

Nationalrat, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband sgv, Affoltern am Albis

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