Einheimische Gemüseproduktion sichern

Über 3500 Betriebe versorgen die Schweizerinnen und Schweizer mit qualitativ hochwertigen, nachhaltig produzierten Gemüsesorten. Sie stehen vor einer ungewissen Zukunft. Zwei unverantwortliche Initiativen, die in zwei Jahren an die Urne gelangen dürften, gefährden die einheimische Produktion.

Mitte Januar war es soweit: Ein Komitee, bestehend aus Privatpersonen, reichte die Initiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung – Keine Subventionen für den Pestizid- und den prophylaktischen Antibiotika-Einsatz» bei der Bundeskanzlei ein. Die Initiative verfolgt auf den ersten Blick noble Ziele: Sie will verhindern, dass Stoffe, die Gewässer und Trinkwasser verschmutzen, in den Wasserkreislauf gelangen. Neu sollen Landwirtschaftsbetriebe nur noch Direktzahlungen erhalten, wenn sie pestizidfrei produzieren, ihre Tiere mit hofeigenem Futter – also ohne Futterimporte – ernähren und die Tiere nicht prophylaktisch mit Antibiotika behandeln.

Drastische Folgen für Schweizer Gemüseanbau

Die Folgen der Initiative wären für die Schweizer Gemüseproduzenten aber verheerend. Zwar sind sie marktorientierte Unternehmer und die grössten Betriebe nicht von Direktzahlungen abhängig. Kleine und mittlere Betriebe aber, rund achtzig Prozent aller Produzenten, müssten auf eine wichtige Einnahmequelle verzichten – darunter übrigens auch Biobetriebe, die ebenfalls auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (PSM) angewiesen sind. Noch kritischer sind aber die indirekten Auswirkungen der Initiative. Denn sie suggeriert den Konsumentinnen und Konsumenten fälschlicherweise, dass Gemüseanbau ohne den Einsatz von PSM auf dem heutigen Niveau möglich ist.

In der Verfassung verankerte Importförderung

Ein fataler Trugschluss: Ohne Einsatz von PSM könnten die Gemüsegärtnerinnen und Gemüsegärtner ihre Kulturen nur ungenügend vor Krankheiten, Schädlingen und der Konkurrenz von Unkräutern schützen. Die Initiative würde die Schweizer Landwirtschaft wortwörtlich umpflügen. Ohne Schutz durch PSM wären in der Folge grössere Anbauflächen zur Produktion der erforderlichen Gemüsemengen notwendig. Die ohnehin kostspielige Produktion würde dadurch noch teurer und würde sich in der Schweiz nicht mehr lohnen. Eine Senkung der Selbstversorgungsquote und der Import von Gemüse aus dem Ausland wären die logische Folge. Die Einhaltung der hohen Schweizer Standards für Arbeitnehmende wäre nicht garantiert. Zudem würde das vermeintliche Problem von PSM einfach ins Ausland verlagert.

Luxusgut Gemüse

Noch einen Schritt weiter geht die Volksinitiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide». Sie fordert ein generelles Verbot von PSM. Dies sowohl in der landwirtschaftlichen Produktion, der Verarbeitung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und der Pflege von landwirtschaftlichem Boden. Darüber hinaus will die Initiative auch den Import von Lebensmitteln aus dem Ausland verbieten, die mit PSM behandelt wurden. Gemüse würde zum Luxusgut, das sich nur noch eine Elite leisten könnte. Noch befindet sich die Initiative im Sammelstadium, dennoch nehmen wir sie sehr ernst.

VSGP arbeitet an markt- und umweltverträglicher Weiterentwicklung

Stehen bleiben, das will der Verband Schweizer Gemüseproduzentinnen und Gemüseproduzenten (VSGP) nicht. Deshalb engagieren wir uns seit Jahren für einen nachhaltigen Einsatz von PSM gemäss den Richtlinien von SwissGAP und SUISSE GARANTIE (ÖLN). Der Einsatz von PSM wurde in den letzten Jahren massgeblich verringert. 2017 hat der Bundesrat zudem den «Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln» verabschiedet. Der Plan sieht vor, dass die Risiken durch PSM halbiert und Alternativen zum chemischen Pflanzenschutz gefördert werden. Wir unterstützen den Aktionsplan und setzen uns für eine praxisnahe Umsetzung ein.

Gleichzeitig investieren wir in innovative Projekte. Ein Beispiel ist ein neuer, aufgerüsteter Hackroboter, mit dem der Pflanzenschutzmitteleinsatz dank digitaler Bildverarbeitung und optimal ausgerichteter Spritzdüsen erheblich reduziert werden kann. Der Hackroboter zeigt auf: die Zukunft liegt in Innovation und Fortschritt und nicht in staatlichen Verboten.

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Autor

Jimmy Mariéthoz

Direktor Verband Schweizerischer Gemüseproduzenten (VSGP)

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