Apotheken senken Kosten – wenn man sie denn lässt

Apotheken nehmen eine zentrale Rolle im Schweizer Gesundheitswesen ein. In ihrer Funktion als unkomplizierte Anlaufstelle sind sie nicht nur unverzichtbare Akteure in der medizinischen Versorgung unseres Landes, sondern tragen massgeblich zur Dämpfung des Kostenanstiegs im Gesundheitswesen bei. Dennoch honoriert der Bund in der jüngsten Vergangenheit die geleisteten Kostenersparnisse nicht. Im Gegenteil: er verschlechtert die Rahmenbedingungen für Apotheken. Diese sind zunehmend in ihrer Existenz bedroht.

Für viele Schweizerinnen und Schweizer ist die Apotheke die erste Anlaufstelle bei Gesundheitsfragen. Sie ermöglicht ihnen eine sichere, wirksame und vor allem günstige Selbstmedikation: Zahlreiche Gesundheitsprobleme lassen sich sofort in der Apotheke abklären und ab dem 1.1.2019 auch mit rezeptpflichtigen Medikamenten abschliessend behandeln. Notfallstationen, Ambulatorien und Hausärzte werden so entlastet und aufwändige Arztbesuche verhindert. Auch Präventionsangebote von Apotheken senken die solidarisch finanzierten Gesundheitskosten effizient, da Apothekerinnen und Apotheker auch mit gesunden Menschen in Kontakt kommen. Schon allein mit Prävention, Therapiebegleitung und Gesundheitsberatung leisten die Apotheken daher einen effektiven Beitrag zur Senkung der Schweizer Gesundheitskosten und zur Stärkung der  volkswirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Landes.

APOTHEKEN DÄMPFEN KOSTENENTWICKLUNG

Bei der Abgabe und Verrechnung von Medikamenten ermöglichen Apotheken einen weiteren bedeutenden Sparbeitrag. Das 2001 eingeführte Tarifsystem «Leistungsorientierte
Abgeltung» trägt ebenfalls dazu bei, die Kostenentwicklung für Medikamente tief zu halten. Während der Arzt diagnostiziert und verschreibt, betreut und begleitet der Apotheker den
konkreten Einsatz des Medikaments. Gerade bei mehreren Medikamenten verhindert seine Arbeit Wechselwirkungen und Fehlmedikationen und sorgt damit für die Sicherheit der Patienten. Durch das Besprechen der Einnahme hilft der Apotheker mit, dass Menschen rasch wieder gesund werden. Und Apotheker prüfen auch aktiv, ob Generika eingesetzt
werden können.

Kurzum: Apotheker haben dazu beigetragen, dass die Medikamentenkosten deutlich langsamer ansteigen als alle übrigen Gesundheitskosten. Apotheken verursachen damit mittlerweile weniger als 3,5 Prozent der Prämienkosten und konnten seit 2001 gut eine Milliarde Franken zugunsten der Prämienzahler einsparen.

DIE LAGE VERSCHÄRFT SICH

Doch auch wenn Apotheken offensichtlich proaktiv dazu beitragen, das prämienfinanzierte Gesundheitssystem zu entlasten, laufen sie Gefahr, dabei unter die Räder zu kommen. Denn trotz kontinuierlicher Effizienzsteigerungen sinken die Erträge der Apotheken stetig – und das obwohl das Volumen der Medikamente zulasten der Grundversicherung seit Jahren ansteigt. Besonders relevant ist der wachsende Verbrauch von sehr günstigen oder extrem hochpreisigen Medikamenten. Da in beiden Fällen die Betriebskosten den Ertrag übersteigen, stellen sie für Apotheken ein zunehmendes Problem dar.

Zusammen mit der jährlichen Medikamentenpreisanpassung vergrössert sich die Kluft zwischen Aufwand und Ertrag daher stets weiter und bringt viele Apotheker in wirtschaftliche Bedrängnis. Eine Ausdünnung des engen Versorgungsnetzes birgt negative Konsequenzen für die Grundversorgung.

FALSCHE MASSNAHMEN

Die neusten Bemühungen des Bundesamts für Gesundheit BAG scheinen das Problem zu ignorieren und verschärfen die wirtschaftliche Lage vieler Apotheken noch weiter. Die  geplante Senkung der preis- und packungsbezogenen Zuschläge auf Medikamente soll weiter zur Kostenreduktion im Gesundheitswesen beitragen und unerwünschte Anreize
vermindern, verfehlt ihr Ziel jedoch deutlich. Stattdessen werden Fehlanreize verstärkt, indem der notwendige Vertriebsanteil verringert und damit der Deckungsbeitrag für die geleistete Arbeit der Apothekenteams noch weiter geschmälert wird. Auch das vorgestellte Festbetragssystem hat fatale Folgen. Völlig unberücksichtigt bleiben bei den geforderten Auslandpreisvergleichen Unterschiede in den Gehältern und den Infrastrukturkosten, die die Apotheken vor Ort aufbringen müssen. Besonders kritisch werden die Massnahmen für die 25 Prozent der Apotheken, die bereits jetzt existenzgefährdet sind. Für viele dieser KMU-Betriebe würden die geplanten Massnahmen einem Todesstoss gleichkommen und die Grundversorgung durch Apotheken in der Schweiz fatal schwächen.

APOTHEKEN STELLEN GRUNDVERSORGUNG SICHER

Noch sind in der Schweiz knapp 1 800 Apotheken für ihre Kundinnen und Kunden da. Sie bilden ein kosteneffizientes und qualitativ hochstehendes Apothekennetz, das eine flächendeckende und funktionierende Grundversorgung sicherstellt.

Statt Apotheken nun mit fahrlässigen Fehlanreizen die Existenzgrundlage zu entziehen, sollte man auf ihren breiten Erfahrungsschatz zurückgreifen: Apotheken sind kostensenkende Akteure, die bereitwillig und proaktiv dazu beitragen das Gesundheitssystem zu reformieren – wenn man sie nicht vorher zugrunde richtet.

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Autor

Fabian Vaucher

Präsident des Schweizerischen Apothekerverbands (pharmaSuisse)

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