Hohe Belastungen und Rechtsunsicherheit

Die Bundeserbschaftssteuer verlangt, dass der Erblasser nach Abzug eines Freibetrags von 2 Mio. Franken eine 20-prozentige Erbschaftssteuer auf den Verkehrswert seines Nachlasses zahlt. Da für die Steuerberechnung der Verkehrswert relevant ist, werden die Betroffenheit und die Rechtsunsicherheit viel grösser sein als gemeinhin angenommen.

Der Verkehrswert börsenkotierter Unternehmensanteile ergibt sich aus den Börsenkursen. Aktienkurse können massiv schwanken, und je nachdem, ob jemand zur Zeit eines Crashes oder einer Börsenhausse stirbt, wird die Erbschaftssteuerbelastung ebenso massiv schwanken.1 Die Höhe der Bundeserbschaftssteuerlast wird somit völlig willkürlich vom Todestag abhängig sein.

FRAGEN ÜBER FRAGEN

Wie bei nichtbörsenkotierten Unternehmen der Verkehrswert im Erbfall berechnet wird, steht offen. Die Unternehmungsbewertung nichtkotierter Unternehmungen ist keine exakte Wissenschaft, sodass die Bewertungen enorme Spannweiten zeigen. In Deutschland wird als Verkehrswert eines Unternehmens im Erbfall das 18,5-fache des letztjährigen Reingewinns eingesetzt. Der Swiss Performance Index (SPI) hatte Ende 2014 ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20, was naheliegend lässt, dass der Unternehmenswert rund 20 Mal dem Gewinn entspricht.

Ob für die Bestimmung des Verkehrswerts von Unternehmensanteilen im Erbfall Paketzuschläge und -abschläge zur Anwendung kommen werden oder etwa Kontrollprämien für Mehrheitsaktionäre und Abschläge für Kleinaktionäre berücksichtigt werden, ist unklar. Wie ausserordentliche und Einmalverluste bzw. -gewinne der letzten Geschäftsjahre den Verkehrswert im Erbfall beeinflussen, ist ebenso unbekannt wie die Berücksichtigung von völlig unterschiedlichen Kurs-Gewinn-Verhältnissen einzelner Branchen. Dadurch wird die Bewertung eines nichtkotierten Unternehmens völlig unberechenbar und willkürlich.

VERANLAGUNG MIT VERKEHRSWERT FÜHRT ZU HOHER BELASTUNG

Nimmt man das angesprochene Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 als Richtgrösse für den Verkehrswert, so zeigt sich, dass durch die Erbschaftssteuer unternehmerische Initiative abgewürgt wird: Ein Unternehmer gründet mit seinen Ersparnissen von 1 Mio. Franken ein neues Unternehmen. Er investiert 0,4 Mio. Franken in Aktiven und braucht 0,6 Mio. Franken zur Finanzierung von Anlaufverlusten. Das Unternehmen entwickelt sich gemäss nachfolgendem Bild positiv. Aber der Unternehmer stirbt im elften Jahr nach der Gründung, nachdem er enorm viel in das Unternehmen investiert hat.

1 Der Kurs/Gewinn des SPI lag 1997 bei 28 und 2009 bei 10.

Grafik
Das Fazit dieser Berechnung ist:

  • Ohne Berücksichtigung von Kapital- und Vermögenssteuer fallen somit eine Unternehmensgewinnsteuer von 300 000 Franken plus eine Erbschaftssteuer von 1 520 000 Franken an – Total Steuern: 1 820 000 Franken. Trotz Risikobereitschaft und erfolgreicher Unternehmensführung sind nach zehn Jahren statt Gewinne nur Steuerschulden vorhanden.
  • Die thesaurierten Gewinne von 1 200 000 Franken reichen also nicht aus, um die Erbschaftssteuer von 1 520 000 Franken zu bezahlen. Bei einer Vorfinanzierung der Erbschaftssteuer bleibt im Praxisbeispiel kein Geld für Innovationen, Investitionen und Wachstumsfinanzierung übrig.
  • Eine gute Steuer wirkt nicht konfiskatorisch, ist einfach und wirtschaftlich, ist stetig und leistungsfördernd. Die Bundeserbschaftssteuer erfüllt keine dieser Kriterien und wird die Unternehmerinitiative, die Leistungs- und Risikobereitschaft massiv beeinträchtigen. Diese Steuer dürfte unmittelbar Konkurse mancher KMU und demnach eine Arbeitsplatzvernichtung zur Folge haben. Sie ist daher abzulehnen.

Schlagwörter

Schlagwörter: ,

Beitrag teilen:

Autor

Felix Dony

Teilhaber Rivmet AG, Hünenberg See

Kommentar