Paaren den Kinderwunsch erfüllen

Nicht jedem Paar ist auf natürlichem Weg ein Kind vergönnt. Jedes Jahr versuchen deshalb über 6000 Frauen in der Schweiz mittels künstlicher Befruchtung schwanger zu werden. Eine In-vitro-Fertilisation ist jedoch keine Garantie für eine Schwangerschaft. Paare unternehmen deshalb oft mehrere Versuche und haben oft einen jahrelangen emotional belastenden Leidensweg hinter sich, denn die Möglichkeiten hierzulande sind aufgrund eines der restriktivsten Fortpflanzungsmedizingesetze in Europa beschränkt. Das revidierte Fortpflanzungsmedizingesetz will unfrucht­baren Paaren und solchen mit einer schweren Erbkrankheit helfen, ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Als Ärztin und Mutter empfehle ich Ihnen, am 5. Juni ein Ja in die Urne zu legen.

Derzeit dürfen pro Behandlungszyklus maximal drei befruchtete Eizellen übertragen werden – unabhängig von ihrer Qualität, sich weiter zu entwickeln. Diese Eizellen müssen eingepflanzt werden. Wie in der Natur auch beträgt die Chance, dass sich ein Ei in der Gebärmutter einnistet und zu einer Schwangerschaft führt, gerade einmal 15 Prozent. Der Grund dafür liegt darin, dass nicht jedes befruchtete Ei das Potenzial hat, sich weiterzuentwickeln. Das revidierte Fortpflanzungsmedizingesetz gestattet den Ärzten, künftig mehr Eizellen zu entwickeln – bis man diejenige mit den besten Chancen auf eine Schwangerschaft erkennen, auswählen und in die Mutter übertragen kann. Dies führt zu einer besseren Schwangerschaftsrate. Gleichzeitig sinkt das Risiko der für Mutter und Kind oft problematischen Mehrlingsschwangerschaften. Paare mit schweren und vererbbaren Krankheiten verzichten heute in der Schweiz meist schweren Herzens auf Nachkommen oder sie lassen zwischen den zehnten und zwölften Schwangerschaftswoche eine heute in der Schweiz erlaubte Pränataldiagnostik durchführen. Ist das Kind von der Erbkrankheit betroffen, muss das Paar sich dem schwierigen Entscheid eines Schwangerschafts­abbruchs stellen.

Strenge Voraussetzungen

Das muss nicht sein. Das revidierte Fortpflanzungsmedizingesetz erlaubt unter strengen Voraussetzungen bei Kinderwunschbehandlungen die sogenannte Präimplantationsdiagnostik (PID). Diese ermöglicht Paaren, bei einer künstlichen Befruchtung eine entwickelte Eizelle auszuwählen, die diese Erbkrankheit nicht trägt. Eine Erkrankung, wie zum Beispiel die Glasknochenkrankheit oder die Cystische Fibrose, kann so vermieden werden. Im Jahr 2013 wäre dies zum Beispiel bei gerade einmal bei 0,65 Prozent aller Geburten in der Schweiz möglich gewesen.

Die PID zur Erkennung von Erbkrankheiten ist heute in allen EU-Ländern, mit Ausnahme Litauens, seit Jahren zulässig. Aufgrund der heutigen Gesetzeslage suchen Schweizer Paare, die es sich leisten können, Fertilitätskliniken im Ausland auf, wo Behandlungen die Chancen auf eine Schwangerschaft mit In-vitro-Fertilisation erhöhen. Ich persönlich finde es besser, wenn die PID hier in der Schweiz nach unseren klaren Regeln durchgeführt werden kann.

Keine Designer-Babys

Die Gegner des Fortpflanzungsmedizingesetzes argumentieren damit, dass es Tür und Tor für Designer-Babys öffne. Aus meiner Tätigkeit als Reproduktionsmedizinerin kann ich Ihnen versichern, dass Eltern, die unsere Klinik aufsuchen, nur einen einzigen Wunsch haben: Ein gesundes Kind zu bekommen. Das zur Diskussion stehende Gesetz verbietet strikte alle Untersuchungen, die darauf abzielen, positive Eigenschaften einer entwickelten Eizelle zu ermitteln. Merkmale wie Haar- oder Augenfarbe und Intelligenz dürfen nicht festgestellt werden. Eine entwickelte Eizelle darf vor der Übertragung in die Gebärmutter nur auf Chromosomenstörungen und schwere Erbkrankheiten untersucht werden. Das Geschlecht der Eizelle darf nur bestimmt werden, wenn die vererbbare Krankheit damit zusammenhängt. Ohne triftigen Grund wird kein Paar diese kostspieligen Untersuchungen beanspruchen, die sie zudem selber berappen müssen.

Das Gesetz, über das wir abstimmen, ist ausgewogen, zeitgemäss und hält eine ausgewogene Antwort auf gesellschaftliche und medizinische Entwicklungen bereit. Der Bundesrat und die Nationale Ethikkommission empfehlen am 5. Juni 2016 ein Ja und sprechen sich für eine zeitgemässe Fortpflanzungs­medizin aus.

 fortpflanzungsmedizin-ja.ch

Beitrag teilen:

Autor

Paola Minikus

FMH für Gynäkologie und Geburtshilfe Reproduktionsmedizin und gynäkologische Endokrinologie, Gyn-A.R.T. AG

Kommentar