Unrealistisch, kontraproduktiv und umweltschädlich

Mit der Energiestrategie 2050 begibt sich die Schweizer Energieministerin auf denselben Irrweg wie die Deutsche Kanzlerin. Der vom Bundesrat ­vorgeschlagene Massnahmenmix bewirkt eine schmutzigere Stromver­sorgung, geringere Versorgungssicherheit, höhere Abhängigkeit vom Ausland und enorme Kosten.

Wir sollten von fossiler Energie (Gas, Kohle, Öl) weg, um Abhängigkeiten vom Ausland, Umweltgefahren und Gesundheitsrisiken zu verringern. Die Energiewende mit dem Atomausstieg bringt aber gerade das Gegenteil.

Energiestrategie ist kontra­produktiv

Falsch ist der Irrsinn der Subventionen mit der KEV (kostendeckende Einspeisevergütung). Mit der KEV kann ich meinen Solarstrom während 25 (neu 20 Jahre) Jahren zum fixen Preis an den Netzbetreiber verkaufen, egal, was er eigentlich wert ist. Ich kenne Leute mit Solarzellen auf dem Dach, die 83 Rappen für jede Kilowattstunde erhalten. Das ist zehnmal mehr, als eine Kilowattstunde Atomstrom kostet. Und bezahlt wird es von allen anderen.

Am meisten Energie produzieren die Solarzellen im Sommer über Mittag, wenn es ohnehin zu viel Strom gibt. In Deutschland hat die Deutsche Bahn deshalb begonnen, im Sommer ihre Weichen zu heizen, um überschüssigen Strom zu verbrauchen. Dafür wird sie gut bezahlt. Gleichzeitig müssen die Deutschen Kohlekraftwerke bauen, um die Versorgung dann sicherzustellen, wenn Sonne und Wind nichts liefern. Sie setzen dabei sogar auf Braunkohle, die für Mensch und Umwelt wohl giftigste Energiequelle, die es gibt.

Energiestrategie ist unehrlich

Der Bundesrat versucht, die Leute für dumm zu verkaufen. Man fördert die erneuerbaren Energien mit viel Geld und beteuert, wie umweltschonend und zukunftsträchtig das sei. Und wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht bläst, braucht man dreckigen Kohlestrom aus dem Ausland. Kommt hinzu: Solarzellen produzieren pro Kilowattstunde rund achtmal mehr Kohlendioxid als Kernkraftwerke. Sie werden in China produziert und verschmutzen dort ganze Landstriche. Wer grün leben will, müsste –wenn schon – sauber produzierte Fotovoltaikpanels auf sein Dach stellen, aber das rechnet sich nicht.

Energiestrategie ist umweltschädlich

Sauberer als unser heutiger Strommix aus Wasserkraft und Kernenergie geht es gar nicht. Ich verstehe nicht, dass die Grünen das nicht sehen. Es ist nur so zu erklären, dass ihnen die Abschaltung der Kernkraftwerke ideologisch wichtiger ist, als der Schutz von Umwelt und Klima.

Doris Leuthard setzt mit der Energiestrategie auch die sichere Stromversorgung wissentlich aufs Spiel. Die Schweiz hat vor allem im Winter ein grosses Problem. Der Bundesrat sagt das ja auch in seiner Botschaft: Man könne nur die Hälfte des Ausfalls der Kernkraft ersetzen, der Rest müsse mit Gaskraftwerken gedeckt oder importiert werden. Wenn wir importieren, dann wäre es Strom aus fossiler Energie: aus deutschen Kohle- oder Gaskraftwerken oder französischer Atomstrom. Ich glaube auch nicht, dass die Schweizer ein Gaskraftwerk bauen wollen. China geht genau den umgekehrten Weg. Dort geht jeden Monat ein neues Atomkraftwerk ans Netz, weil es mit der Luftverschmutzung durch Kohlekraftwerke so nicht weitergehen kann.

Wer bezahlt die Kosten der Energiestrategie?

In den gesamten Unterlagen des Bundes­rates steht schliesslich nichts zu den Kosten. Es ist meines Erachtens keine sachliche Politik, eine Energiestrategie zu entwerfen, ohne die Kosten sauber darzulegen. Es gibt zurückhaltende Schätzungen der Investitionskosten, die höher ausfallen als 100 Milliarden Franken. Wer soll und will das bezahlen?

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Autor

Irene Aegerter

ehemalige Vizepräsidentin Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften, Wollerau

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