Was wird unsere Gesellschaft in Zukunft bewegen?

Welche Werte unsere Gesellschaft in der Vergangenheit prägten, welche Themen uns heute beschäftigen und in welche Richtung wir uns in Zukunft von Stimmungen bewegen lassen, beschäftigt Historiker, Denker und Zukunftsforscher.

Vor noch wenigen Jahrzehnten galten Parteibücher als die richtungsweisenden ‘Trendsetter’, beeinflusst von Veränderungen in den Nationen, mit welchen unser Land Verbindungen pflegte. Man wählte sozialistisch, liberal, konservativ oder nationalistisch. Klare Werte waren greifbar und standen in direkter Verbindung zu Parteien.

WENN DIE PARTEIBINDUNG ERODIERT

Der Mensch in der heutigen Zeit bekennt sich immer weniger zu einer Partei. Auf Gemeindeebene finden sich immer mehr parteilose Exekutiv- und Legislativpolitiker. Nicht Werte einer Partei sind relevant für ein Engagement. Ein geplantes Bauprojekt in einer agglomerationsgeprägten Gemeinde zum Beispiel ruft sowohl die Befürworter (Gewerbeverband, Baumeister, Arbeitgeber) als auch allfällige Gegner (Veloverband, Naturschutzverein, empörte Nachbarn) auf den Plan. Sie vertreten in der aktuellen Fragestellung einen kleinen Teil der Bevölkerung. Die momentane Stimmung wird über Verbände und ad hoc entstandene Gruppierungen getrieben, darob wurden empörte Bürger über Nacht bereits in politische Ämter gespült. Die herkömmlichen politischen Prozesse laufen für die heutige Zeit wohl gefühlt zu langsam, haben in ihrer Langsamkeit allerdings auch Möglichkeit zu Gesprächen
geboten und Anlass zu Konsens gegeben.

Mich persönlich stört, dass in einem lokalen politischen Geschäft oder baulichen Vorhaben nicht nur direkt betroffene Personen, sondern ortsfremde, Natur-, Heimat- und Umweltschutzorganisationen das Recht haben, Beschwerde zu führen. Die Ausführung von teilweise schon bewilligten Projekten wird um Jahre verzögert. Diese Akteure scheinen heute in der, vom apolitischen Mainstream und Empörungskampagnen geprägten, Stimmung noch mächtiger geworden zu sein.

WER GESTALTET UNSERE ZUKUNFT?

Nun stellt sich aber die Frage, welche Treiber in wenigen Jahren unsere Entscheide beeinflussen werden. Sind es noch politische Parteien, sind es noch Verbände oder sind es Kommunikationsgefässe, die situativ äusserst agil ihre Botschaften durch die virtuelle Welt streuen können? Kreieren wir die Lösungsansätze in Zukunft in «depolitisierten Räumen», wie es Dr. Raoul Blindenbacher in der NZZ vom 25. Juli 17 vorgezeichnet hat? Wie werden wir in Zukunft die täglich entstehenden, hochinteressanten Innovationen fördern und umsetzen können, ohne die hergebrachten Regeln der Politik zu missachten? Es braucht allenfalls neue Formen. Neue Wege oder Räume, in welchen sich Bürger, Technik, Politik und
die Verwaltung im Innovationsprozess begegnen können.

Die Lehre hat dazu schon ihre Ideen entwickelt; zum Beispiel die «gouvernmentale Lernspirale». Ausgewählte Personen generieren technisches und mehrheitsfähiges Wissen und können dieses in den demokratischen Prozess zurück speisen. Die am Prozess beteiligten Akteure sind keine Vertreter einer bestimmten Disziplin, Partei oder Führungsstufe. Dies gibt Raum für offenes, aber auf die Herausforderung konzentriertes Denken. Die Machbarkeit der Idee muss anschliessend auf politischer Ebene überprüft werden. Das so generierte
Wissen muss nicht von allen Beteiligten getragen werden.

VIELFALT STATT STARRE NORMEN SCHAFFT INNOVATIVE IDEEN

Lasst uns den Mut haben, die Entstehung neuer Ideen in «depolitisierten Räumen» entstehen zu lassen. Wir streben und Leben in unserer Gesellschaft zu oft nach Harmonie, Normen und Ausgewogenheit. Normen geben einen Massstab vor, was von der Gesellschaft toleriert wird und was letztlich als abnormal eingestuft wird. Sei es eine Schulnote,
die Form einer Gurke oder auch die Vorschriften, welche Kleider Arbeiter auf dem Bau zu tragen haben. Letztlich stellt diese Gleichmacherei eine Behinderung für das Entstehen neuer Ideen dar. Es ist schliesslich erwiesen, dass möglichst heterogen zusammengesetzte Teams den höchsten Output an neuen Ideen generieren können.

Wenn neue Räume den Rahmen zum Entstehen neuer Ideen bieten können, müssen wir dies sehr aufmerksam verfolgen. Es kann durchaus sein, dass es die Ergebnisse dieser die Ergebnisse dieser «depolitisierten Räume» sind, die die Stimmungsmacher der Zukunft sein werden. Wir müssen nur wagen, diesen Weg zu beschreiten.

www.maja-riniker.ch

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Autor

Maja Riniker

Grossrätin FDP, Suhr

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